milano ke ama. milano ke resiste.

Immer wieder habe ich das Glück spannende Momente in Italien zu erhaschen. Auch sehr komische Momente. Auch Momente die mir eigentlich die Sprache verschlagen.

Denk ich an Milano und Italien so wohnen zwei Seelen in meiner Brust. Eine die sehnsüchtig ein Italien liebt, was es nicht gibt, sowie Eine die dem Abgrund Italiens entgegenblickt. ‚a milano non si vive, si resiste‘. In Milano lebt man nicht, man leistet Widerstand. Ja. Diese Worte einer Genossin treffen es vielleicht ganz gut. Und vielleicht ist es auch genau das, weshalb sich milano in meiner brust eingenistet hat. Und die erstere Seele pocht noch immer viel stärker.

Gestern, am 13.02. fanden sich Hunderttausende in den verschiedensten piazzas Italiens ein. Eine Basismobilisierung von einigen prominenten Frauen initiiert, weshalb man nach Gewerkschafts- oder Parteifahnen lange vergebens suchen sollte. Die Dynamik des gestrigen Tages überrollte Italien. Wenige hatten mit solchen bunt gemischen Menschenmassen gerechnet. Die Bilder aus Roma, Napoli, Milano aber auch kleineren Städten sind beeindruckend. Basta! Und für die Würde der Frau in dieser Gesellschaft. Sogar im Ausland löste die Mobilisierung verschiedenste Widerstandsaktionen und Kundgebungen aus. Der Aufhänger an Berlusconis Prozess um die minderjährige Ruby und sonstige Prostitutionsskandale sind sicher nicht der fundamentale Knackpunkt der notwendigen Kritik in Italien. Doch der Tag gestern verdeutlichte in aller Schärfe dass die italienische Gesellschaft so nicht weiter voran gehen kann. Denn sie bewegt sich rückwärts und in Richtung Abgrund. Rechte Politikerinnen, wie die für Bildung zuständige Ministerin Gelmini betitelte die Frauen die sich gestern in den piazzas einfanden als ‚radical chic women‘ und die Linke würde nun über die Frauenfrage Opposition machen wollen. Die Sprache, die die rechten Kräfte verwenden ist mal wieder abgründig. Man hofft nur, dass diese Dynamik sich ausbreitet, in den Alltag einwirkt und es schaffen kann zumindest die Berlusconi Regierung abzusetzten, in den Comunen und Regionen auch institutionell wieder zu gewinnen um gesellschaftlich wieder eine Gegenmacht zu etablieren.

Eine kurze Erzählung eines absurden Szenarios möchte ich nicht vorenthalten: Am Freitag sollte die erste Anhörung eines Prozesses zweier Genossen wegen der Innseblockade vor ziemlich genau zwei Jahren stattfinden. Man traf sich um 11h vor dem monströsen Mussolinibau, dem Gericht. Von weiten sah ich schwenkende Italienfahnen und komische Rufe. Als ich mich annähere treffe ich glücklicherweise gleich meine GenossInnen und weiß zuerst gar nicht was ich über dieses Schauspiel auf der gegenüberliegenden Seite sagen soll. ‚Silvio!‘, ‚Silvio!‘ riefen sie entschieden und dieses Gericht sei ein Ort der Ungerechtigkeit. Sie fanden sich also ein um gegen die derzeit anlaufenden Prozesse gegen Berlusconi zu manifestieren. Diese Menschen sollten sich schämen. Sie sind es (auch bezahlt übrigens) die Italien in Richtung Abgrund steuern, der Mafia den ökonomischen und politischen, wie auch kulturellen Einfluss ermöglichen.


1 Antwort auf “milano ke ama. milano ke resiste.”


  1. 1 online spiele 11. April 2011 um 2:24 Uhr

    Krass, ich habe garnicht für möglich gehalten dass das in der Tat so klappt

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