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die.Krise:sie.ist.überall.

wer hätte das gedacht, nun soll die EZB aber wirklich mal intervenieren, damit sich die staatsbankrote nicht wie ein „virus“durchsetzen und die eurozone gefährden. nun also italia. was für eine überaschung dass es nicht bei griechenland bleibt…merkel und sarkozy schütteln sich die hände und weiter soll es gehen in d ie abwärtsspirale während ökonomen in die kleine märchenerzählung von faulen papieren, den nervösen markt und anderen verschleierungen einführen.

Was tun? Die EZB wird beginnen italienische Staatsanleihen zu kaufen, und der soziale Einschnitt wie in Griechenland geschehen wird in Italien versucht werden durchzusetzen. Wir zahlen nicht für diese Krise! War der Slogan der aufkommenden Protestbewegung im Frühherbst 2009. Ín Deutschland, wie auch in anderen Ländern wurde dieser zum Leitmotiv von antiKrisenprotesten. Es sind die Peripheriestaaten der Eurozone, wo gezahlt und beschnitten wird um das untergehende Boot zu retten. Noch haben wir – wohnhaft in der BRD, deutsche Staatsbürgerschaft- nicht für diese Krise zu zahlen, wie die Menschen am Rande der Festung Europa. Ein starkes Band zwischen Deutschland und Frankreich schreitet voran, während die Peripherien zahlen werden.

Es kann nicht länger zugesehen werden!Was sagen wir den GriechInnen, den ItalienerInnen? Zahlt nicht für diese Krise!? Kämpfet!? Dieser Kampf muss gemeinsam gekämpft werden, nationale Grenzen dürfen die Bewgung nicht behindern….es bedarf einen großen europäischen Aufschrei- Stark, laut und allernorts um mit der Propaganda des „nervösen Marktes“zu brechen, die Krise als politische zu entlarven, die Antagonismn überall und in gegenseitiger Bezugnahme zuzuspitzen um das herrschafltiche Krisenmanagment ins Schwanken zu versetzen.

Keine leichten Zeiten, die hier anstehen.

„Es ist die zeit der Monster.“(Gramsci)

Chaos in der EU-migrationspolitik

na das war ja klar.
so sieht die europäische einigkeit und freundschaft also aus.
während tausende von migrantInnen die südlichen mauern europas überwanden, und sie nun in italien sind wird von der EU gefordert, dass italien doch alleine mit dieser situation klar zu kommen habe. frankreich und deutschland seien nahezu erbost über die reaktion italiens.
das ist die kehrseite des europäischen engagements im humanitären einsatz in nordafrika.
gestern noch von freizügigkeit in der union gesprochen, gibts heute – der neue inneminister vorran- populistisches gedräsche und die forderung, die migrantInnen doch schleunigst dahin zurück zu ‚führen‘ wo sie her kamen.
denn man habe ja rückführungsabkommen mit tunesien, und es ist ja vereinbart tunesierInnen also wieder zurück zunehmen, damit tunesien europäische subventionen erwarten kann.

so läuft der laden.
die krise auf den politsesseln platzte beim innenministertreffen. Die BRD überlegt grenzkontrollen wieder einzuführen. die italienische regierung und bürokratie versagt was die Organisierung und versorgung von über 20.000 flüchtlingen in Italien angeht. Innenminister Maroni fragte was es eigentlich solle, in der EU zu sein „Es ist besser, allein zu sein als in schlechter Gesellschaft.“

schon erstaunlich wie sich rechtspopulisten wie Maroni, und auch der neue deutsche Innenminister Friedrich, der seinem Stil ganz treu bleibt, in die haare gehen, wenn es um unkontrollierbare migrantInnenströme geht, die an den toren der bundesdeutschen grenze klopfen könnten…

ohja…als hätte man gedacht, europa stehe ganz distanziert zu den hegemoniekämpfen und der krise in nordafrika…wie verblendet und verblendend ist diese politik eigentlich?

Pane!Lavoro!Libertà!

Brot.Arbeit.Freiheit sind die fordernden Parolen der Ribellionen in Libyen. Bewegungen entzünden sich in den nordafrikanischen Ländern. Sie sind Verdichtungen der Krise.lösen andere krisen aus. Und offenbaren die komplexe, globale widersprüchlichkeit kapitalistischer verwertungsketten.

Bis zum Freitag den 11.02. zählte man in Lampedusa bis zu 1350 neuangekommene MigrantInnen aus den nordafrikanischen Ländern. Es sind meist junge Männer, die die chaotischen, krisenhaften momente nutzen um nach europa zu gelangen. Die italienische Regierung verwehrte sich lange das in Lampedusa befindende Aufnahmelager zu öffnen. Nach über einer Woche, wo nun auch das Grenregime zwischen libyen und italien neue löcher eröffnet kommen tag für tag boote in lampedusa an. Doch die italienische Regierung und Politik hat derzeit anderes zuerledingen. Im Fokus der Debatte standen in den letzten 2 Wochen die anlaufenden Berlusconiprozesse. Während auf europäischer Ebene auf der internationalen Arena die westliche Demokratiefahne gegenüber den Rebellionen in Nordafrika geschwungen wird, verweigert die europäische Gemeinschaft eine gemeinsame Auseinandersetzung mit der aus den Krisenentstandenen unkontrollierbaren Bewegung. Frau Merkel gibt sich solidarisch mit den Menschen aus Tunesien und Ägypten und fügte hinzu, sie hätten doch aber nun die aufgabe eine ‚demokratie‘ bei sich zuhause zu errichten. Kurz:bleibt mal schön da wo ihr seid und herkommt.!.

Was bedeuten nun die aufflammenden Proteste in Libyen? Am vergangenen Sonntag bedeuteten sie bis zu 300 Toten und 800 Schwerverletzte. Die Milizen Gaddafis und seiner Sippschaft schießen wild um sich. So ist unter den Toten am Montag auch ein 8jähriges Kind. Das ist Krieg. Kampf der Klassen. In diesen wilden Zeiten offenbart sich die Maskarade europäischer Einigkeit und Demokratie, die ihre Festungsgräben mit europäischen Kapital in den nordafrikanischen Ländern ausbaut. Was wird also geschehen in diesen Ländern und welche Konflikte werden sich weiter zuspitzen. Gaddafi drohte der EU mit der Beendigung der Beihilge bzgl. des Migrations- und grenzregimes. Damit die zehntausenden in libyschen Gefängnissen festgehaltenen Menschen in die freiheit zu entlassen. Welch Widerlichkeit dieses Wortdrohungen.

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Und Italien?
Während die Festung Europas an den Küsten der südeuropäischen Länder gestürmt werden begibt sich der zentrale zivilgesellschaftliche diskurs in ein sprachpolitisches Wortgefecht. Sie verlautbaren großes. Die Trennung von Staat und Justiz. Die italienische Verfassung. Die italienische Rechtsordnung. Die Mafia.
Die mafiösen Verstrickungen der Mafia, wie im Norden durch die N‘dranghetta gewinnen an diskurspolitischen Einfluss. Nicht, dass man nicht schon immer wusste, dass die Mafia eine finanzpolitische Deutungsmacht, außerhalb partizipativen Einflusses quasi überall in Italien hat. Dennoch gewinnt die Thematisierung dessen eine neue Kraft.
Absurde Momente, wie die -teils bezahlten- BerlusconiAnhängerInenn vor dem Gericht Milanos sind fotografische Sofortaufnahmen dieser Szenerie. Sie schreien ’silvio!,’silvio!‘ und verurteilen das Gericht als Ort der :Ungerechtigkeit: wegen der anlaufenden Prozesse gegen Berlusco.
Die Frauen, Männer und Kinder die gegen die Regierung und den Absturz Italiens in die italienischen piazzas strömen, werden von der Regierungsrechten als ‚avantgardistische Linke‘ abgetan. So nannte die ministerin Gelmini, die tausenden Frauen, die sich am Sonntag dem 13.02 basismobilisiert in all den Städten einfanden die ‚linken chicfrauen‘ und dass sich die Linke nun das Thema der Frauen aneignen würde um in Opposition zu gehen. Abgesehen davon, dass sich auf all diesen Manifestationen nicht eine Gewerkschafts- oder Parteifahne finden ließ, wird es allerdings auch Zeit.ja. Dass sich vor allem die italienerInnen erheben. Ein genosse sagte am sonntag morgen, dass es sehr viel aussagt über den zustand einer gesellschaftlichen Formation,wenn die Frauen sich erheben. Und sie erhoben sich. Und nicht nur sie, sondern auch tausende Menschen unabhängig von Geschlecht oder auch Hautfarbe.

What happens next?

und: was tun.?.

milano ke ama. milano ke resiste.

Immer wieder habe ich das Glück spannende Momente in Italien zu erhaschen. Auch sehr komische Momente. Auch Momente die mir eigentlich die Sprache verschlagen.

Denk ich an Milano und Italien so wohnen zwei Seelen in meiner Brust. Eine die sehnsüchtig ein Italien liebt, was es nicht gibt, sowie Eine die dem Abgrund Italiens entgegenblickt. ‚a milano non si vive, si resiste‘. In Milano lebt man nicht, man leistet Widerstand. Ja. Diese Worte einer Genossin treffen es vielleicht ganz gut. Und vielleicht ist es auch genau das, weshalb sich milano in meiner brust eingenistet hat. Und die erstere Seele pocht noch immer viel stärker.

Gestern, am 13.02. fanden sich Hunderttausende in den verschiedensten piazzas Italiens ein. Eine Basismobilisierung von einigen prominenten Frauen initiiert, weshalb man nach Gewerkschafts- oder Parteifahnen lange vergebens suchen sollte. Die Dynamik des gestrigen Tages überrollte Italien. Wenige hatten mit solchen bunt gemischen Menschenmassen gerechnet. Die Bilder aus Roma, Napoli, Milano aber auch kleineren Städten sind beeindruckend. Basta! Und für die Würde der Frau in dieser Gesellschaft. Sogar im Ausland löste die Mobilisierung verschiedenste Widerstandsaktionen und Kundgebungen aus. Der Aufhänger an Berlusconis Prozess um die minderjährige Ruby und sonstige Prostitutionsskandale sind sicher nicht der fundamentale Knackpunkt der notwendigen Kritik in Italien. Doch der Tag gestern verdeutlichte in aller Schärfe dass die italienische Gesellschaft so nicht weiter voran gehen kann. Denn sie bewegt sich rückwärts und in Richtung Abgrund. Rechte Politikerinnen, wie die für Bildung zuständige Ministerin Gelmini betitelte die Frauen die sich gestern in den piazzas einfanden als ‚radical chic women‘ und die Linke würde nun über die Frauenfrage Opposition machen wollen. Die Sprache, die die rechten Kräfte verwenden ist mal wieder abgründig. Man hofft nur, dass diese Dynamik sich ausbreitet, in den Alltag einwirkt und es schaffen kann zumindest die Berlusconi Regierung abzusetzten, in den Comunen und Regionen auch institutionell wieder zu gewinnen um gesellschaftlich wieder eine Gegenmacht zu etablieren.

Eine kurze Erzählung eines absurden Szenarios möchte ich nicht vorenthalten: Am Freitag sollte die erste Anhörung eines Prozesses zweier Genossen wegen der Innseblockade vor ziemlich genau zwei Jahren stattfinden. Man traf sich um 11h vor dem monströsen Mussolinibau, dem Gericht. Von weiten sah ich schwenkende Italienfahnen und komische Rufe. Als ich mich annähere treffe ich glücklicherweise gleich meine GenossInnen und weiß zuerst gar nicht was ich über dieses Schauspiel auf der gegenüberliegenden Seite sagen soll. ‚Silvio!‘, ‚Silvio!‘ riefen sie entschieden und dieses Gericht sei ein Ort der Ungerechtigkeit. Sie fanden sich also ein um gegen die derzeit anlaufenden Prozesse gegen Berlusconi zu manifestieren. Diese Menschen sollten sich schämen. Sie sind es (auch bezahlt übrigens) die Italien in Richtung Abgrund steuern, der Mafia den ökonomischen und politischen, wie auch kulturellen Einfluss ermöglichen.

.immer.in.krise.

‚in diesen wilden postmodernen zeiten verheißen selbst die sterne virulente veränderungen‘ (Méritt/Bührmann/Schefzig 2005: 5)

… und ich habe das gefühl. :diese: krise lässt mich innerlich expoldieren. alles in bewegung und selbst weiß man gar nicht wohin.wie. die altbekannte frage: was tun.?. und da man im inneren sehr wohl weiss :wohin: bleibt die frage vielmehr :wie:
… und wo steht man selbst dabei?….

vielleicht kehrt auch bassrandale zurueck in die welt der blogerInnen. nun wo alles am explodieren ist und alles anders wird.
hier eine erste intervention in diese richtung. gedanken. von der datierung der verfassung zwar schon ein paar wochen her. dennoch.

.noi. non paghiamo la .vostra. crisi

Italien in Krise: ein breites Lächeln Berlusconis und subalterner Aufschrei.
dezember 2010

Überall ist Krise nur in Italien taucht beständig ein breit- lächelndes Gesicht Berlusconis oder anderer Fraktionsmitglieder auf, die verkündeten, dass in Italien alles ‚tutto bene‘ sei. Die italienische Bankenlandschaft blieb robust, da sie keine ’sub prime‘ Kredite vergaben. ItalienerInnen sichern sich schon seit Jahrzehnten über Eigenheime, also eigene Immobilien sozial ab. Im Konflikt der Integration krisenhafter nationalstaatlicher Ökonomien wie Irland oder Griechenland, werden Spanien, Portugal und Italien meist im nächstem Atemzug der Angst genannt. Auch wenn die aktuellen Neuverschuldungen Italiens beispielsweise nicht über die Deutschlands hinaus gehen, so ist Italien doch eines der Länder mit der höchsten Staatsverschuldung der EURO- Zone. Und auch wenn in Italien bisher keine der vielen, auch provinziellen Banken staatlich subventioniert gerettet werden musste so bleibt doch die Frage inwieweit sich die schwache, italienische Ökonomie so weiter halten kann, oder was dies für gesellschaftliche Zuspitzungen bedeuten wird.

Erschreckend musste man feststellen, dass im Frühjahr 2009 schon der komplette Haushaltsposten der cassa di integrazione (staatliche Lohnkasse) für das gesamte Jahr verbraucht war. Nun im Winter 2010 verweisen die Statistiken auf ein gemäßigt negatives Ausmaß der Krise auf dem italienischen und nun mit Betonung: -formellen- Arbeitsmarkt. In Italien ist bis zur demokratischen Partei (PD) hin das ‚deutsche Modell‘ der Krisenregulation favorisiert und verfolgt. Doch die formell regulierten Arbeitsverhältnisse in Italien sind rar. Gesellschaftliche Arbeitsteilung und die Segmentierung des italienischen Arbeitsmarktes gewinnt mit der Konfiguration eines auf Familie basierenden Welfare zuspitzend an Schärfe und bringt eine neue Qualität an Informalität hervor. Der gigantischen Sektor informeller Ökonomie strukturiert die ständig wandelnden Arbeitsbiographien vor allem junger Menschen. Die krisenbedingten Enlassungen von einem auf den anderen Tag Anfang 2009 bedeutet die Rückkehr ins familiäre Elternhaus, da es keine sozialen Absicherung für die sognannten ‚non garantiti‘ ohne Arbeitsvertrag und soziale Absicherungen gibt. (Junge) ItalienerInnen stellen einen der großen Posten der italienischen Schattenökonomie. Einen weiteren übernehmen migrantische Arbeitskräfte in den Sektoren der informellen Ökonomie.

Die schwache italienische Ökonomie bringt nur eine Wachstumsrate von max 1% hervor und die Regierung verspricht dennoch Wachstum. Außenminister Frattini gibt sich optimistisch und spricht von Rekordergebnissen im Export von Lebensmitteln. Die Lebensmittelbauern Süditaliens geraten allerdings in eine immer tiefere Schuldenlast, da die Preise von Lebensmitteln in den letzten Jahren enorm von den Händlern gedrückt wurden. Verkaufte ein Bauer ein Kilo Cherrytomaten für 2,20 € so muss er gegenwärtig einen Verkaufspreis von bis zu 0, 80 € akzeptieren und kann damit gerade mal die laufenden Kosten decken. Die jungen Italiener migrieren in den Norden und im Süden Italiens sorgt das italienische Migrationsregime für den Nachschub an (migrantischen) Arbeitskräften, welche unter postmodernen Sklavenbedingungen arbeiten 1 und zudem der politischen Regulation der Mafia ausgesetzt sind, welche als eine regionale Form von autoritärer Staatlichkeit im Staat in Italien wirkt.

Krisenregulation ‚alla italia‘
Staatliche Regulation der Krise findet über Kurzarbeit, radikale Einsparungen in Bildung und Forschung, sowie politisch durch einen nationalistisch, rassistisch und sexistischen Gesellschaftsdiskurs statt. Parallel zur Verabschiedung des Sicherheitspakets (paccetto siccurezza) Anfang 2009 wurde mittels eines widerlichen Diskurs ein Bild des Migranten gezeichnet, der die italienischen Frauen vergewaltigt und somit grundsätzlich ein gesellschaftliches Risiko darstelle, welchem nur mit Militär und Bürgerwehrgruppen (‚Ronde‘) staatlich begegnet werden könne. Die Einwanderungsbestimmungen wurden verschärft, die irreguläre Einwanderung und der klandestine Aufenthalt, sowie jegliche Beihilfe dazu (auch ärztliche Nothilfe)zur Straftat erklärt. MigrantInnen werden zum nationalen Sicherheitsrisiko erklärt, ständigen Personalienkontrollen an öffentlichen Plätzen und Verkehrsmitteln unterzogen. Seit dem ersten Wahlsiegs Berlusconis 1994 lässt sich ebenso ein sexistischer Backlash konstatieren, der zumindest in der Eurozone nach seines Gleichen lange suchen lässt. Frauen werden medial, durch (‚politische‘) Äußerungen und Entscheidungen der Regierung zu sexuellen Objekten und Accessoirs erklärt. Berlusconi begründete den erhöhten Militäreinsatz damit, dass „die schönen italienischen Frauen geschützt werden müssten“. Und junge Frauen ohne Arbeit sollten sich doch einen Mann zur Absicherung suchen. Die sexistische Ausrichtung des TV- Programms der Hauptsendezeiten in Berlusconis ‚Staatsfernsehen‘ verstärken diesen Backlash. Auch die Verstrickungen und Einflüsse der römisch- katholischen Kirche sind nicht zu missachten. Abtreibungen oder Verhütung, vor allem die ‚Pille- danach‘ sind gesellschaftlich stark umkämpft. Will eine Frau abtreiben, so passiert es nicht selten,dass sie ins Schlaglicht kirchlicher Bediensteter gerät, welche psychischen Druck gegen diese Entscheidung ausüben. Ein nationalistisch- chauvinistischer Gesellschaftsdiskurs, zeichnet den italienischen Weg aus der Krise, unterstützt von faschistischen und postfaschistischen Organisierungen wie der ‚Forza Nuova‘ oder dem italienweiten Autonome- Nationalisten Netzwerk ‚Casa Pound‘, welche unter anderem durch Kontakte zu Regierungsmitgliedern ihre gesellschaftliche Position lokal und italienweit stärken konnten.

Krise der Bewegung?
Subalterner Widerstand entfesselt in Italien dennoch eine nicht zu unterschätzende breite gesellschaftliche Solidarität. Im Gegensatz zu Deutschland kann in Italien zumindest eine Art gesellschaftliches, kollektives Bewusstsein über politische Ausformungen und Veränderungen der Krise konstatiert werden. Mit Italien haben wir die Reste der einst größten kommunistischen Partei Europas und deren gegenwärtigen Zustand vor uns liegen. Neben ihr waren außerparlamentarische, autonome und soziale Bewegung immer entscheidender zivilgesellschaftlicher Akteur verankert durch Fabrik und Centro 2. Die italienische Bewegung galt aufgrund ihrer Geschichte schon immer als leuchtendes Beispiel antifaschistischer (die Resistenza) und sozialer (die Arbeits- und gesamtgesellschaftlichen Kämpfe der 60/70er, Postautonomie der disobbedienti) Kämpfe. Was ist passiert mit der Kraft dieser Bewegung? Eins ist sicher: es gibt sie noch immer. Doch Rationalisierungen und Zuspitzungen der Inwertsetzung eigener Arbeitskraft in prekären Lohnarbeitsverhältnissen gehen auch an den widerständigen Subjekten nicht vorbei. Hinzu kommt die staatliche Repression, die sich mit der staatlichen ‚Strategie der Spannung‘ der 70er wie ein roter Faden durch die italienische Nachkriegsbewegungsgeschichte über die Ermordung Carlos 2001 bis heute ziehen lässt. Aktuell stellt sich die Frage ob sich die autoritäre staatliche Repression gegenüber sozialer Bewegung, Frauen und MigrantInnen weiter zu spitzen wird und ob es linke Bewegung schaffen kann, dem etwas entgegen zu setzen.

They said yes! We say NO!
‚Noi non paghiamo la vostra Krise‘– Wir zahlen nicht für eure Krise, war der Slogan der Studierendenproteste, welche sich im September 2008 an der Einbringung einer Bildungsreform der Ministerin Gelmini entzündete und schnell in ganz Italien ausbreitete. Das Gelmini Gesetz kürzt 8 Milliarden € , streicht bis zu 133.000 Stellen im Bildungsbereich und macht den Weg frei für umfangreiche Privatisierungsmaßnahmen in den staatlichen Bildungseinrichtungen. In Italien breitete sich die Dynamik der anfänglichen Bildungsproteste in andere gesellschaftliche Kämpfe aus. Arbeitskämpfe in den Fabriken, Proteste von MigrantInnen, Aktionen gegen umfangreiche Gentrifizierungsmaßnahmen und auch die Revitalisierung feministischen Widerstandes beschreiben die letzten zwei Jahre Italienischer Bewegungslandschaft.

Nach dem migrantischen Widerstand in Rosarno folgte der erste Versuch der Organisierung eines Streiks von MigrantInnen am 1. März (siehe AK nr.548). Gemeinsam mit linksradikaler Bewegung und Betriebsgruppen konnte mit mehreren Zehntausenden in Rom, Bologna, Breccia und Milano durchaus als Erfolg verbucht werden. Um für Papiere und soziale Garantien zu kämpfen, besetzen MigrantInnen im Norden seit Ende November wochenlang Türme und Baukräne. Nachdem von der italienischen Bewegung gegen die Bildungsreform die ersten antagonistischen Ausrufe während des Krisenausbruchs in Europa zu vernehmen waren und nun die Umsetzungen des Gelmini Gesetztes greifen sollen, mobilisiert sie in diesen Tagen um ihr deutliches Nein zu unterstreichen. Am 30.November wurde der ‚No- Gelmini‘ Tag ausgerufen, nach dem in der Woche zuvor italienweit Tausende SchülerInnen und Studierende alle italienischen Städte lahm legten. Hierfür formierten sich in Milano 8 Demonstrationszügen, welche die ganze Stadt in volles Chaos versetzten und Ernst machte mit der Parole „Blocchiamo Tutto“ (Wir blockieren alles!).

Spannend bleibt die Weiterentwicklung der politisch- institutionellen Apparatur und seiner Besetzung nach der Misstrauensabstimmung. Schafft es Berlusconi erneut ein Bündnis aufzustellen um wieder gewählt zu werden? Berlusconis Fraktion droht derweil damit, dass die Stabilität Italiens mit Neuwahlen auf der Kippe stünde, als hätte es je eine kontinuierliche, soziale Stabilität vor allem für junge Menschen in Italien gegeben. Oder wird sich der postfaschistische, ehemalige MSI Aktivist Fini mit einem durch die PD gestütztem Bündnis durchsetzen? Was, betrachtet man die Biographie Finis nicht weniger zum Unwohlsein beiträgt. Offen bleibt auch, ob sich Apuliens linker, charismatischer Präsident Vendola als Oppositionskandidat durchsetzen könnte, welcher allerdings in Bewegunskreisen kritisch bewertet wird. Dass in Milano die Vorwahlen für die Bürgermeisterwahlen im Frühjahr 2011 für Giuliano Pisapia einem linken Anwalt, Schriftsteller und Politiker ausgegangen sind, ist ein Hoffnungsschimmer. Er verteidigte unter anderem Öcalan während seines Aufenthaltes in Italien, sowie die Familie des 2001 in Genua erschossenem Carlo Giuliani. Ein politischer Kandidat, der selbst großen Teilen sozialer Bewegung entsprechen könnte, von diesen unterstützt wird und verlorenes Vertrauen dieses Spektrums wieder beleben könnte.
Es wird spannend werden um die italienische Regierung. Die Frage ist ob linke Bewegung den sich zu spitzenden Tendenzen etwas entgegenhalten kann, ohne eine starke institutionelle Opposition. Die demokratische Partei ist weit davon entfernt Partnerin linker, sozialer Kämpfe zu werden. Die Reste sozialistischer und kommunistischer Parteien sind zersplittert und geschwächt. Um den gegenwärtigen gesellschaftlichen Krisentendenzen schlagkräftig entgegenzuwirken bedürfte es eine Überwindung zwischenparteilicher Querelen und der strategischen Beilegung von Konflikten verschiedener linker Bewegungsgruppen. Seitdem auch das italienweite Netzwerke der disobbedienti an Stärke verloren hat, mangelt es an überregionalen verbindlichen Organisierungen linksradikaler Politik. Die Linke, welche ständig gegen die rechts- nationalistische Regierung und deren Ideologie schießt muss ihre organisierte Kraft wiedergewinnen und es bleibt spannend zu welchen neuen Konstellationen die umfassende Krise in Italien führen wird.

  1. Dazu ein aktueller Filmtipp über die Ausbeutung und moderne Landwirtschaft in Sizilien: ‚La Terra(e)strema‘ (2009). Dokumentarfilm mit deutschen untertiteln. Terraestrema.blogsport.com // autofocus viedeowerkstatt [zurück]
  2. Centro sociale (soziales Zentrum) wurden sich im Zuge der Marginalisierung junger, arbeitsloser ItalienerInnen räumlich angeeignet. Die Centros wurden in den damals noch bestehenden Stadtvierteln (diese befinden sich gegenwärtig vor allem im Norden in einem fortgeschrittenem Stadium der Gentrifizierung) aufgebaut, waren Orte des kollektiven Austausches, Hilfe und kreativer Entfaltung. Sie waren meistens in die Viertel integriert und sind somit in das italienische Alltagsbewusstsein der Gesellschaft eingegangen. Sie galtent als kleine ‚revolutionäre Stützpunkte‘, von wo aus man sich politisch in einem ‚collettivo‘ organisierte und kreative Widerstandsformen entwickelte. [zurück]

*mèritt,l./bührmann, t./ schefzig, n.b. (2005): mehr als eine liebe. orland:berlin